20 Johr Schnägge-Waggis
Als vor 20 Jahren ein paar Idealisten
im Strohwagen und in Original-Waggislümpe an der Oberwiler Strassenfasnacht
mitmachten, dachten diese wohl kaum, dass sie 20 Jahre später immer
noch "uf dr Waage" steigen würden. Nun ist es also soweit:
10 kleine Schnägge-Waggis zeigen sich noch einmal mit ihrem Wagen
an der Strassenfasnacht Oberwil, Ausgabe 1999. Wieder einmal heisst
es: "Mir sin parat!", und Reto, Ruedi, Ede, Tineli, Rolf,
Rolle, Urs, Schnitzge, Känel und Walti machen die Strassen und
Beizen von Oberwil unsicher!

In den letzten 20 Jahren haben wir
schöne, verschiffte, verschneite, sonnige, vom Winde verwehte und
sommerlich warme Fasnachten erlebt. Einige von uns sind vom Wagen gefallen
(Urs), aus dem Schnappchare gekippt (Ede), mit Gips auf dem Wagen in
einem Bett gelegen (Rolle), mit einem Gips im Rollstuhl herumgestossen
worden (Ede), auf dem Wagenboden gelegen oder gesessen.

Der Wagenbau war immer etwas Spezielles.
Röthlisberger Hausis Wagen bauten wir im alten Zuchtstierehof,
wir malten Wände bei Schläpfers in der Garage, dann bauten
wir viele Jahre oben bei der Lätti, beim Konsumhof bei den Säuen,
schliesslich mussten wir nach dem Pachtwechsel dort ins Exil zu den
Guggern nach Ettingen. Wir fluchten und lachten, froren und schwitzten.
Wagenchef Borer Ruedi trieb uns an, verlangte, dass wir auch noch die
rostigste Schraube aufbewahren sollten. Wir nahmen's - meistens - gelassen.
Beim Wagenabbau am Mittwoch kam es schon mal vor, dass wir über
Oberwil eine dunkle Rauchwolke aufsteigen liessen (damals durfte man
noch füürle, heute bestellen wir eine Mini-Mulde...) oder
dass einer eine Dachlatte auf das parkierte Auto neben dem Wagen warf.

Die Larven bauten wir - mit einer Ausnahme - alle selber,
Rolf der Larvenchef stellte uns seinen Keller, seinen Weissen und nicht
zuletzt sein Know-How zur Verfügung. Dem nicht-so-begabten Larvenbauer
überreichte er die Restanzen des vergeblichen Kaschierversuchs
in einer Streichholzschachtel!

Bei unseren Einstimmungsmittagessen bei Heyer's Margrit
in Biel-Benken ging es jeweils hoch zu und her. Da mussten wir die ganze
Beiz mit dem Oberwiler Fasnachtslied unterhalten und für manch
einen, der das erste Mal dabei war bei uns, war dort der Umzug schon
beendet ( der Weisswein trübte das Erinnerungsvermögen für
längere Zeit, gäll Phille!).

Zu den Höhepunkten gehörten sicher auch unsere
jährlichen Cliquebummel, die im Turnus von 1 - 2 Mitgliedern möglichst
originell organisiert wurden. Wir sahen Seen, Berge, Weinkellereien,
Ruinen, das Ausland, Autobahnrastplätze, Eisenbahnschienen, Frauen,
Männer usw.. Unvergesslich sind die Ereignisse und sie bieten immer
wieder Anlass zum Schmunzeln und Lachen.

Wir hatten innerhalb der Clique immer wieder kleinere
personelle Wechsel zu verzeichnen. Aber der Stamm blieb derselbe und
unserer Philosophie, dass wir nicht mehr als 10 Waggisse sein wollten,
blieben wir bis heute treu. Es hat sich bewährt. Wir haben unseren
Präsidenten auch auf Lebzeiten gewählt, was unserer Clique
Konstanz und festen(!) Halt gibt, hoffentlich auch in Zukunft.

Nun ist es also soweit: Zum letzten Mal, so haben wir
beschlossen, steigen wir nach 20 Jahren auf den Wagen, Jetzt nicht mehr
als Studenten, Lehrlinge und Ledige, sondern als Ehemänner, Väter,
Gesetzte und Grossväter. Fasnacht werden wir weiterhin machen (schliesslich
sind wir ja auch noch ein (recht) guter Bangg!), aber so gemeinsam auf
einem Wagen werden die Original-Schnägge-Waggis wohl nicht mehr
zu sehen sein. Wir freuen uns auf die letzte Strassenfasnacht im Wagen,
werden sicher eine oder mehrere Tränen vergiessen, die wir aber
gediegen unter der Larve verbergen werden. Danke an alle, die sich an
uns gefreut haben und uns auch dieses Jahr wieder zujubeln werden. Und
jetzt sind wir gespannt auf den Ruf unseres Präsidenten:
"Yschtoo!"
Copyright 2003 by Schnäggewaggis, Christoph
Burkhardt